Bei Cosy

Die Bar Bei Cosy existierte von 1962 bis 1982. Es war eine Institution für eine gemischte Subkultur. Das Neue daran war, dass hier bereits in den frühen 60er Jahren Schwule, Lesben und Heteros zusammentrafen, also zu einer Zeit, da die Toleranz  gegenüber  Minderheiten noch zu wünschen übrig ließ. 

Ich hatte den Namen Cosy aus meinem Familiennamen abgeleitet: Conscience. In den 1960er Jahren war es beinahe unmöglich eine Konzession für ein einschlägiges Lokal zu erhalten. Das war auch nicht in erster Linie meine Absicht. Ich wollte ein Lokal, in dem sich alle Existenzen mischten, sich miteinander wohlfühlten, sich kennenlernten und gegenseitig tolerierten. Das war zunächst einmal etwas Neues.

Es entpuppte sich recht bald als ein besonderer Anziehungspunkt im Gärtnerplatz-Viertel; nicht zuletzt durch eine Vielzahl an Festen, die wir in regelmäßigen Abständen  feierten. Die „prüden 60er“ wurden aufgelöst durch das Aufbegehren der Jugend. Allerorts forderten wir Aufklärung, Studentenrevolten auf den Straßen Münchens, Wahrheitsfindung im politischen Verhackstück der Nachkriegsjahre. Spannungen in der ganzen Welt.

Das Cosy wurde zur Insel des Frohsinns für Nachtschwärmer aller Art. Darunter viele Künstler*innen wie: Filmemacher Klaus Lemke, Uschi Obermaier, R.W. Fassbinder mit Freund Ali und Hanna Schygulla, Hildegard Knef mit Gatte David Cameron, später auch Alekos vom P1, Johannes v. Thurn und Taxis mit Gloria und viele mehr. 

Dem erste Lokal in der Baaderstraße. folgte ein zweites unter gleichem Namen: Bei Cosy in der Klenzestraße. Hier gab es auf einer kleinen Bühne die erste Travestie-Show – Andrè aus dem bekannten Chez-N… in Berlin trat auf und der Laden brach aus allen Nähten. Wie schon im ersten Lokal ging auch ich auf die Bühne. Ich entdeckte meine Liebe zum Chanson , schrieb eigene Texte und Lieder  zu denen eine gute Freundin, die Pianistin Meike Illig, die Kompositionen schrieb. Von nun an gab es immer wieder mal einen Cosy-Abend, zu dem mich Meike Illig auch in späteren Jahren stets treu begleitete. Und immer und oft verstand es Meike die Gäste bis zum frühen Morgen musikalisch, witzig zu unterhalten.

1970 wechselte das Cosy zum Elisabethplatz in den Keller des ehemaligen Blow-Up. Die Gäste zogen mit. Für das Lokal übernahm ich von der Vorbesitzerin die  3 Uhr-Konzession. Und die war Gold wert. Jetzt strömten die Nachtschwärmer  in Scharen herein, manchmal so viele, dass die Bedienungen sich nicht mehr durch die Menschentrauben drängen konnten, um die Bestellung aufzunehmen und ich einen Türsteher, (Axel vom Alter Simple) einstellen musste, obwohl ich Gesichtskontrolle nicht mag, doch es ging ja nicht um Gesichter, sondern um Zulauf-Stopp. Hier war also alles, was nach 1 Uhr nachts noch auf den Beinen war – Musiker, Schauspieler, Tänzer, Travestie-Gruppen, die Stammgäste, Homos und Heteros. Viele der Namen habe ich vergessen. Inzwischen hatte auch Marianne Sägebrecht das ehemalige Muttibräu eröffnet, Urheberin der Opera-Curiosa, zu der sie mich später auch einmal verpflichtete. Auch sie wurde mit ihren Künstler*innen und Freunden Stammgast am Elisabethplatz. 

Gastronomin und Künstlerin war ich gleichzeitig. Für mich gehörte das immer zusammen. Irgendwann  ging mir die Puste aus. Außerdem zog es mich mit Macht zu meiner Kunst als Malerin zurück. Mein Studium dafür hatte ich als Gastschülerin in meiner Geburtsstadt Köln an der Kunstgewerbeschule und später in Brüssel absolviert. Die Geburt meines Sohnes 1960 machte ein Umdenken nötig. Ich war alleinerziehend und es bedurfte einer Existenzgrundlage, die, wie sich zeigte, durch meine Arbeit als Gastronomin gegeben war.

1980 verkaufte ich das Cosy am Elisabethplatz meiner damaligen Lebensgefährtin und Mitarbeiterin zu sehr günstigen Bedingungen. Auf die weitere Existenz der Bar hatte ich keinen Einfluss.

Mein Sohn war erwachsen und so nahm ich meine künstlerische Arbeit 1982 wieder auf. Es war viel nachzuholen. Als 1985 die Dany Keller Galerie in München auf mich aufmerksam wurde und mich  ausstellte und bald international vertrat, war ich am Ziel meiner Wünsche.

Cosy Pièro anlässlich der Ausstellung Bei Cosy im Kunstraum Rongwrong, Amsterdam, 2017